Hallo!
Mein Name ist Kathrin und ich bin 39 Jahre alt.
Ich bin verheiratet und habe eine 5 Jahre alte Tochter. Ich liebe meine Familie über alles. Das konnte auch das letzte Jahr nicht ändern, die Bindung zwischen uns wurde sogar stärker.
Was mir passiert ist? Ich verrate es dir gerne, denn das Teilen meiner Geschichte hat mir sehr geholfen und ich hoffe, dass es auch anderen hilft, wenn sie etwas über mich lesen.
Im Sommer 2024 habe ich einen Knoten in meinen Brüsten ertastet. Da ich gerade ein neues Medikament getestet hatte, versuchte ich es erst mal mit Absetzen der Medikation. Das half auch teilweise. Meine rechte Brust, war bald wieder normal, aber links blieb ein Knoten. Ein ziemlich großer Knoten. Habe ich nicht gut genug aufgepasst?
Meine letzte Routinekontrolle hatte ich im März. Da war alles unauffällig. Von dort weg nahm ich Medikamente gegen Regelschmerzen auf natürlicher Basis. Ende April – Anfang Mai war ich bei einer riesigen Gesunden-Untersuchung. Ich wurde von A-Z durchleuchtet! Alles normal – tolle Werte, Blut passt, Körperwerte sind alle in Ordnung… Nur die Brüste tun mir jetzt immer öfter weh und die Regelschmerzen sind noch nicht wirklich besser. Ich will dem Medikament aber eine Chance geben. Im August war ich dann auf Urlaub. Vor dem Urlaub (Ende Juli) habe ich die Medikamente abgesetzt – vielleicht ist es ja eine allergische Reaktion?
Nach dem Urlaub war dann fast alles wieder wie vorher – nur in der linken Brust ein eindeutig ertastbarer Knoten. Also habe ich beschlossen, dass ich so schnell wie möglich einen Termin bei einem Frauenarzt brauche und sofort einen für Anfang September bekommen. Von da an ging eigentlich alles ziemlich schnell, aber ich will euch ja teilhaben lassen.
Meine Frauenärztin hat mich sofort zu einer Mammographie mit Sono überwiesen. Dafür hatte ich schon in der Folgewoche einen Termin. Der Arzt konnte erkennen, dass etwas nicht stimmt, konnte aber nicht mit Sicherheit sagen, was es ist. Daher hat er mir vorgeschlagen, dass er sofort für mich in Leoben anruft, damit ich so schnell wie möglich einen Termin bekomme und siehe da, ich bekam schon 6 Tage später einen Termin auf der Stanze im LKH Hochsteiermark Standort Leoben…
Da hatte ich zum ersten Mal ein gaaaaanz schlechtes Gefühl in der Magengrube. Ich habe mit meinen Freundinnen und Kolleginnen darüber geredet und gefragt, wer schon Erfahrungen damit hat bzw. schon mal auf der „STANZE“ zur Biopsie war. Tatsächlich hatten mehrere meiner Bekannten schon etwas ähnliches durchgemacht – manche sogar regelmäßig. Bei den meisten ist es eine Zyste gewesen. Alle meinten, ich sollte keine Angst haben und ruhig bleiben. Ich hatte keine Angst – wieso sollte ich Angst haben, wenn ich noch gar nicht weiß, ob ich Angst haben muss? Da mache ich mir ja die zwei Wochen Wartezeit auf das Ergebnis selbst zur Hölle!
Dann der Anruf: Die Ergebnisse sind da! Termin für das Aufklärungsgespräch ist der 25.10.2024 – Na super… Für unser Kind haben wir einen gemeinsamen Urlaub gebucht ab 26.10.24 – hoffentlich ist der noch möglich. Ich gebe meiner Chefin Bescheid, dass ich an diesem Tag wieder ins Krankenhaus muss. Mein Mann begleitet mich, um mir Kraft zu geben. Mein Gefühl: Nicht so gut… Aber ich bleibe positiv! Angst kann ich immer noch haben, falls sich mein Gefühl bestätigt. Wir sitzen herum und warten. Mein Mann ist guter Dinge, er ist überzeugt, dass alles gut wird – ich sage ihm besser nicht, dass mein Gefühl ein anderes ist. Endlich sind wir dran… Egal was jetzt kommt, es wird mich erlösen.
Blablabla, blablabla…
„Sie haben Brustkrebs“
Blablabla…
Diese drei Worte erschüttern unser Weltbild. Ich sehe meinen Mann zum ersten Mal mit Tränen in den Augen. Ich lasse den Tränen freien Lauf, atme tief durch, sammle mich, schaue die Ärztin an und frage: „Wie sehen die Heilungschancen aus und wie geht es weiter?“
Die Ärztin wartet, bis wir uns gefangen haben und erläutert uns dann das weitere Prozedere. Eine Streuung im Lymph muss noch einmal abgeklärt werden. Die Chemo soll so schnell wie möglich starten – Mitte November spätestens. Dazu gibt es eine Immuntherapie und im Anschluss eine Strahlentherapie. „Sie sind bitte ab sofort im Krankenstand und halten Ihre Kontakte gering – aber zuvor genießen Sie bitte Ihren Urlaub“.
Wie sagen wir das jetzt unserem Kind? Und sagen wir es ihr vor dem Urlaub oder erst danach? Gibt es dafür ein Rezept? Zum Glück bekomme ich im Krankenhaus sofort viel Hilfe von der lieben Schwester Bianca. Kinderbücher, Bücher über Krebs und an welche Stellen man sich wenden muss – im Krankenhaus wird uns jede erdenkliche Hilfe angeboten.
Mein Kind ist noch 4 und intelligent, verheimlichen ist nicht möglich! Sie merkt, dass Papa und Mama nicht zu 100% bei ihr sind, obwohl wir alles dafür tun damit der Urlaub schön wird. Ist ja vermutlich der letzte für lange Zeit… Aber genau diese angestrengten Versuche sind es, die uns verraten. Also zeige ich ihr den Tumor und sage ihr, wie die Krankheit heißt, die ich habe. Ich erkläre ihr, was in nächster Zeit passieren wird und dass ich viel Zeit im Krankenhaus verbringen werde. Außerdem verspreche ich ihr alles zu tun, damit ich wieder gesund werde und so viele tolle Dinge mit ihr zu machen, wie es mir erlaubt ist und mir körperlich möglich sind.
Unsere Familien sichern uns ihre Hilfe zu und haben viele Fragen! Was ich schon weiß: Ich werde meine Haare verlieren.
Mein Cousin erzählt mir von seiner Friseurin – der lieben Babsi und sagt mir, dass sie auch Haarspenden annimmt, denn mir ist es wichtig, dass meine Haare nicht einfach verloren sind. Ich möchte etwas Gutes damit machen. Deshalb rufe ich mich mit Babsi zusammen und sie hat auch einen Termin für mich frei, auch zur Beratung für Perücken, Tücher, Hauben und alles, was mit Chemopatienten zu tun hat, denn sie hat schon einiges an Erfahrung gesammelt.
In der Zwischenzeit habe ich ein paar Termine im Krankenhaus und hole mir noch ein paar Impfungen beim Hausarzt. Meine erste Chemotherapie ist für den 14.11.2024 geplant, gleich zusammen mit der ersten Immuntherapie. Dafür habe ich gekämpft, denn erst wollten sie die erste Therapie am 6.11. machen und das wäre mein Geburtstag gewesen und den wollte ich doch noch mal feiern mit meinen Freunden mit einem kleinen Feuerschalenevent im Freien.
Außerdem war der Termin bei Babsi für Samstag angesetzt – der Tag meiner Feier. Auf diesen Termin bin ich sehr gespannt, ich weiß nämlich noch nicht, ob meine Haare lang genug sind für eine Spende. Ich warne meinen Mann vor und sage ihm, dass es sein könnte, dass ich sie Spende, da ich danach keine Möglichkeit mehr haben werde. Das Ausmaß meiner Aussage war ihm wohl nicht ganz bewusst. Meine Schwägerin in Spee hat mir zugesagt, mich zu begleiten und unterstützend zu beraten.
Als ich Babsi zum ersten Mal sah, dachte ich mir – diese Frau passt perfekt zu dem, was ich gerade vor habe! Sie hat mich nicht mitleidig umhätschelt oder in Watte gepackt, wie es vielleicht viele andere getan hätten. Sie hat mir alles sachlich und fachgerecht erklärt und mich behandelt, wie einen gesunden Menschen. Das schätze ich sehr an ihr. Sie hat mir klar und deutlich gesagt, dass ich meine Haare nur spenden kann, wenn wir sie direkt an der Kopfhaut abrasieren und ich hatte die Möglichkeit zu entscheiden. Zum ersten Mal seit einem Monat konnte ich selbst entscheiden, was ich mit meinem Körper mache und ich wollte diese Entscheidung auf keinen Fall dem Krebs und der Chemotherapie überlassen. Meine Schwägerin war aufgeregter als ich. Endlich konnte ich aktiv etwas tun – das war mir so wichtig! Und dabei kam sogar noch etwas tolles raus. Meine Haare konnten gespendet werden und wir haben ein Video mitgeschnitten, für meine Tochter, für meinen Mann, für unsere Familien, für mich, aber auch für euch alle. Ich habe diesen Tag und diese Tat als eine der Schönsten Erlebnisse in meinem Leben gespeichert. Ich war mutig, ich hatte Spaß, ich habe etwas Gutes getan, ich konnte eine Entscheidung treffen.
Ich muss sagen: Ich sehe scharf aus ohne Haare, es fühlt sich toll an (ist aber ein wenig frisch im Winter) und ich bin dreimal so schnell fertig mit Duschen – jetzt verstehe ich das mit den Männern und dem Bad…
Mein Mann war total geschockt und hat sehr lange gebraucht, sich daran zu gewöhnen, auch für meine Tochter war es anfangs komisch, aber sie hat es schnell akzeptiert. Meine Freunde waren total begeistert. Mein Bruder meinte: In unsrer Familie kann man eben alles tragen… Die Feier mit meinen Freunden war toll. Wir haben gefeiert, dass wir uns von „Knut-Olaf“ – das war der netteste Name für meinen Tumor – verabschieden und in einem Jahr wieder zusammensitzen werden – allerdings GESUND!
Gut gestärkt bin ich also nun in meine erste Chemotherapie getrabt. Da ich schwache Venen haben, hatten wir schon geplant einen PORT zu setzen (gleich mal vorausgeschickt: mein Körper hat ihn abgestoßen und er musste später wieder entfernt werden, nachdem ich monatelang Probleme damit hatte – würde es aber auf jeden Fall wieder machen lassen). Mir wurde ein ganzer Haufen Medikamente aufgeschrieben, damit es keine Nebenwirkungen gibt, aber die haben es erst schlimmer gemacht.
So aber welche Nebenwirkungen gab es denn im Laufe meiner Therapie (für die ich zusätzlich auch noch in den Wechsel versetzt wurde)?
Ich zähl mal auf, was mir alles so einfällt: Müdigkeit und Erschöpfung, starkes Schwitzen, Blutungsneigung (Nasenbluten), angegriffene Schleimhäute, Husten, Kopfschmerzen, Geschmacksveränderungen, Sehschwäche, Schwindel, Schwäche in den Gliedmaßen, Ausschläge (auch Pusteln), Fieberblasen und Gelenksschmerzen bei den ersten 12 leichten Chemos; bei den großen 4 danach wurde dies noch erweitert mit Übelkeit, noch mehr Schwäche und noch mehr Müdigkeit.
Um mit der Krankheit und dem ganzen Klimbim rundherum klarzukommen, habe ich viel darüber geredet und sogar sowas wie ein Videotagebuch für meine Freunde gemacht – so musste ich nicht jedem immer schreiben, wie es mir geht, sondern jeder konnte in meinem Status mitverfolgen, wie meine Nacht, oder mein Tag waren. Auch ein Tagebuch habe ich mitgeschrieben bis zu den großen Chemos – da habe ich es nicht mehr geschafft – ich war viel zu ausgelaugt.
Auch mit meiner Tochter war es nicht immer einfach. Ich hatte nicht genug Energie. Nach einer Stunde spielen brauchte ich mindestens eine Stunde Ruhe – das konnte sie überhaupt nicht verstehen. Ich hatte zum Glück aber auch Hilfe vom Jugendamt! Schon kurz nach der Diagnose, habe ich mich dort erkundigt, ob es Hilfe gibt und ich bekam eine tolle Familienhelferin der Caritas, die mit meiner Tochter sehr viel unternommen hat, weil ich es nicht konnte.
Auch eine Perücke habe ich dank Babsi gefunden. Zum Glück habe ich mich so wohl gefühlt ohne Haare, dass ich sie nur 2 oder 3 mal an hatte. Babsi war sehr geduldig mit mir, denn mir gefiel keine Perücke wirklich an mir, aber letztendlich hat meine Tochter eine für mich ausgesucht. Für sie habe ich sie auch getragen, wenn wir aus waren.
Nach den Chemos, wurden die Tumormarker noch operativ entfernt. Dabei wurde zum Glück festgestellt, dass keine Tumorzellen mehr im Körper waren. Nun bin ich gerade noch in Immuntherapie – wobei wir noch schauen wie sich das mit meiner zweiten chronischen Krankheit verträgt, da ich immer wieder Schübe habe. Ende August starte ich dann mit der Strahlentherapie. Wenn alles glatt läuft, bin ich um Weihnachten herum mit alles Therapien fertig und kann neu gestärkt ins Jahr 2026 starten uns das Jahr 2025 abhaken.
Aber eins steht fest: Im November wird die Feuerschale aktiviert und gefeiert, dass wir das Jahr gut überstanden haben!
Für alle die etwas ähnliches durchmachen:
Rede drüber! Verschweige nichts! Reden hilft! Nimm Hilfe an – du wirst sie brauchen! Triff deine Freunde! Lass dich nicht hängen! Bleib in Bewegung! Arbeite mit Mentalcoaches und Psychologen – schluck deinen Stolz runter! Iss worauf du Lust hast – dein Geschmack kann sich stark verändern, sei also offen für Neues! Sei fröhlich und positiv, denn so lässt sich alles leichter ertragen!
Kopf hoch, und „DANKE“ an alle, die mich unterstützt haben, eure Kathy
BR
